Schnipsel

„Es war einmal ein Prinz. Er war weltberühmt. Le Petit Prince. Der Kleine Prinz. Alle dachten, er sei Franzose, weil er auf dem fünfzig Francs Schein abgebildet war. Aber als der Francs aus der Mode kam und vom Euro abgelöst wurde, erkannte man den Prinzen nicht mehr. Und fragte ihn, eines Tages, nach seinen Papieren. Routine. Er zückte einen Fünfziger, sie lachten ihn aus. „Bestechen läuft nicht.“ „Das bin ich“, sagte er und zeigte auf den Geldschein. „Da kann jeder kommen und behaupten, er sei der Kleine Prinz“, hieß es und sie warteten. Er packte seinen Geldschein ein und schwieg. So schnell geht das. Kein Aufenthalt mehr auf der Erde. Perdu! „Suchen Sie sich einen anderen Planeten“, spottete man und sperrte ihn ein. Er ging durch alle Instanzen, verlangte seine Würde zurück und bekam ein Ticket auf den Mond.“

aus: Lilly Axster, „Der Pullover trägt mich nicht mehr“, S. 179, Edition Assemblage, Münster 2022

<hund zwei: die hündin flicka war eigentlich ein pferd. sie wieherte und wieherte aber niemand glaubte ihr>

Lilly Axster, „Wenn schon nicht alles“, Arbeitstitel, Roman in Arbeit, Wien 2022

Ich bin Atalanta, vom Frachter aus gegen das feste Land verschifft. Ich stehe zugehörig miteinander, aber meiner Nase nach, allein im Leben herum. Hier in Festland bin ich fremd angelegt. Ich meine, ich werde unerhört, wenn ich nicht weiß und neu ausspreche, so gut es mir geht. Hier gefällt mir viel und leicht gibt es später auch für mich ein und alles aus zu kaufen.“

(aus: Lilly Axster, Atalanta Läufer_in, Zaglossus Verlag Wien 2014)


Dankesrede zum Wiener Jugendbuchpreis 2018 für „Die Stadt war nie wach“ im Wiener Rathaus


Schnipsel aus einem Wordrap von Christine Aebi und mir auf Einladung des Magazins 1001 Buch 2013 zu unserer Zusammenarbeit